DJ Roughy in Action!
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Interview mit einem Hauptberuflichen Twitch DJ – DJ Roughy

Ihr alle habt mitbekommen, dass diese Woche ein Beben durch die gesamte Musikszene ging und vor allem die Twitch.tv Community schwer erschüttert hat. Wir haben dies zum Anlass genommen um DJ Roughy, der hauptberuflich auf Twitch.tv aktiv ist, zu interviewen.

Interview

Hard-Facts: Stell dich doch mal kurz denjenigen vor, die dich vielleicht noch nicht kennen – Wer bist du und was machst du?

Roughy: Hey! Ich bin Fabi alias Roughy, bin seit 2010 in der DJ Szene unterwegs, seit 2016 aktiv auf Twitch am streamen und dort verbreite ich nun seit 4 Jahren meine Leidenschaft zur Harder Styles Szene in Form von DJ-Sets, Diskussionen etc.
Mein Herz schlägt für den RAW-Bereich, aber an sich feiere ich die gesamte Harder Styles Szene.

Hard-Facts: Seit wann bist du auf Twitch aktiv und was war der Auslöser damit anzufangen?

Roughy: Wie erwähnt habe ich mein erstes Set im September 2016 gespielt. Der Auslöser war, dass ich neben der Tätigkeit beim Online-Radio neue Herausforderungen und neue Reize gesucht habe. Twitch ist da eben anders. Direktes Feedback, direkter Kontakt zu den Zu(hörern)sehern, super Interaktion und einfach viel Spaß. Nach dem ersten Stream war für mich dann auch klar, dass das eher meine Zukunft ist, als ein Online-Radio. Dass sich alles dann so schnell in eine so heftige Richtung entwickelt, hätte ich aber zu dem Zeitpunkt selbst nie erwartet. Bei mir war und ist der Spaß immer im Vordergrund.

Hard-Facts: Du machst Twitch ja inzwischen Hauptberuflich.
Über Twitch-Streamer gibt es einige kontroverse Meinungen z.B dass es sich bei Streamern oft um profesionelle Internetbettler handelt. Gibt es irgendetwas was du allen Kritikern sagen möchtest?

Roughy: Das seh ich zweigleisig. Es gibt natürlich die negativ Variante. Als der Musikbereich auf Twitch, gerade Harder Styles, groß geworden ist, sind viele auf die Plattform gekommen, da sie gemerkt haben, dass man ja Geld damit verdienen kann. Das sind die klassischen Internetbettler.
Aber viele Kollegen, inklusive mir, haben niemals aus diesem Grund angefangen. Für mich bedeutet Musik alles. Das Gefühl andere Leute mitzureißen und ihnen meine Leidenschaft näher zu bringen, ist für mich hundert mal mehr Wert als jeder Cent.
Aber klar: Als Vollzeitstreamer ist man, so blöd das klingt, auch etwas auf das Geld anderer angewiesen, so funktioniert das System Twitch.


Hard-Facts: Neben den Streams bist du seit einiger Zeit auch Veranstalter und legst als DJ auf Partys auf. Was ist der größte Unterschied vor einem Live-Publikum aufzutreten?

Roughy: Das Live-Gefühl ist da nochmal deutlich krasser. Hunderte Freaks vor sich zu sehen, die einfach nur zur Musik abfeiern, ist natürlich nicht vergleichbar mit dem Blick auf Twitch in eine Kamera.
Ich vergleiche das ganz einfach: Wenn ich einen Porno schaue, ist das natürlich cool, aber selbst dabei zu sein, hat doch schon eher was, oder nicht? 😀
Aber mal ehrlich: als Harder Styles Hörer macht es auch einen Unterschied, ob ich zuhause Spotify höre, oder ob ich auf der Defqon.1 stehe, mit einer gigantischen Anlage vor mir, geiler Lichtshow und coolen Menschen um mich herum.

Hard-Facts: Du beschäftigst dich schon sehr lange mit den Harder Styles und betrachtest die Entwicklung sehr genau. Gibt es etwas in unserer Szene, das du gerne ändern würdest?

Roughy: Ich liebe die Entwicklung der letzten Jahre. Viele beschweren sich ja über die Kommerzialisierung und beispielsweise das Aufsplitten in Euphoric und RAW. Ich sehe das anders. Nur durch die Kommerzialisierung gibt es mittlerweile in Deutschland zahlreiche Partys.
Q-Dance, B2S usw. haben dadurch auch viel mehr Möglichkeiten und wir haben einfach die Chance auf Partys zu gehen, die vor 10 Jahren noch unvorstellbar waren.
Auch die Musik selbst profitiert meiner Meinung nach davon sehr. Wir haben mittlerweile alleine im RAW-Bereich so viele neue Künstler, so viel Input, so viele kreative Köpfe, dass wir täglich neue fette Releases hören können.
Und das Aufsplitten? Naja, so funktioniert Musik eben. Musik muss sich über die Zeit verändern. Passiert das nicht, geht sie irgendwann zu Grunde – Siehe der deutsche Hands Up.
Ob ich etwas ändern möchte? Ja. Ich sehe immer wieder Hate innerhalb der Szene. Von Hardcore-Hörern zu Euphoric-Hörern und umgekehrt. „Euphoric ist doch nur gequietschte“ oder „Wie kann man sich nur Hardcore den ganzen Tag geben“.
Aber mal ganz ehrlich: Wir sitzen doch alle im gleichen Boot. Wir alle lieben die Szene und die Beats über 150 BPM. Ob da jemand Euphoric hört oder sich Terror reinknallt, sollte doch einfach keine Rolle spielen. Jedem das Seine, Hauptsache wir halten alle weiterhin zusammen.

Hard-Facts: Welche/r Künstler verdienen/verdient deiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit?

Roughy: Unfassbar underrated finde ich Myst. Wenn ich mir nur vorstelle, die Tracks von Myst mit dieser Atmosphäre auf der Defqon Mainstage bei Sonnenuntergang zu hören. Uff. Zudem bin ich ein Qualitätsfreak. Für mich ist ein Track auch nur dann gut, wenn er nicht nur eine fette Melo hat, sondern der Track auch noch sehr hochklassig produziert ist. Da gibt es immer mehr kleinere Producer, die mehr verdient haben. Im RAW-Bereich sehe ich da z.b. Aversion oder Fraw in Zukunft noch ganz weit oben.

Hard-Facts: Können wir von dir in Zukunft auch eigene Musik erwarten?

Roughy: Ich habe früher schon produziert, habe vor einem halben Jahr auch wieder angefangen, aber wie oben schon erwähnt ist Qualität für mich das wichtigste. Ich glaube das steht mir vielleicht ein kleines bisschen im Weg! 😀 Aber ums abzukürzen: Ja, so mein Plan.

DJ Roughys Set aus unserem Livestream

Hard-Facts: Diese Woche wurde vor allem von neuen „Richtlinien” bezüglich Musik-Streams auf Twitch überschattet. Wie stehst du zur ganzen Thematik oder ist es noch zu früh sich zu dieser Thematik zu äußern?

Roughy: Kurz vorab: Es gibt keine neuen Richtlinien. Es handelt sich hier um ein Recht, welches schon seit mehreren Jahrzehnten besteht. Und das auch zurecht.
Ich bin seit nun knapp einer Woche täglich mit unfassbar vielen Menschen aus der Szene in Kontakt. Wir müssen da gemeinsam an Lösungen arbeiten, dass sowohl wir Streamer weiter unserer Leidenschaft nachgehen können, als auch dass Labels einen Teil des Kuchens abbekommen. Leider ist das Internet im Jahr 2020 immer noch Neuland, sodass selbst eine völlig überteuerte GEMA-Lizenz uns nicht vor irgendwelchen Claims schützt. ABER: Wir alle kennen die Harder Styles Szene und wissen, wie familiär diese ist. Ich bin mir sehr sicher, dass sich da schnell Lösungen finden werden.

Hard-Facts: Eine Frage die jeder unserer Interviewgäste beantworten muss: Pizza mit, oder ohne Ananas?

Roughy: Ey. Easy. TEAM HAWAII! Mit Zwiebeln!

Hard-Facts:Diese Antwort hatte ich befürchtet, aufgrund deiner Antwort ist es an dieser Stelle besser das Interview zu beenden. Gibt es noch etwas was du unbedingt loswerden möchtest und deinen Fans und Followern und unseren Lesern mitteilen möchtest?

Roughy: Yes. Wenn der ganze aktuelle Mist vorbei ist und wir endlich wieder unsere fetten Festivals haben: Feiert die Musik und die Künstler als gäbe es kein morgen. Haltet solange durch, spart euch die Energie und lasst uns 2021 zu DEM Festival-Jahr schlechthin machen. <3

Hard-Facts: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, wir hoffen, dass auf Twitch bald alles wieder seinen gewohnten Gang gehen kann und wünschen dir das beste für die Zukunft!

Nachwort

Aufgrund der Massen an Fehlinformation, die über die Twitch “Änderungen” verbreitet wurden, sahen wir uns in der Pflicht jemand direkt betroffenen dazu zu holen.
Sollte euch die ganze Thematik interessieren und ihr spannende Anekdoten und Insights zu den Harder Styles hören wollt, schaltet morgen ab 16:00 Uhr auf jeden Fall bei Roughy ein. Andi. aus unserem Team, ist live zu Gast und es wird schonungslos ALLES besprochen, sei es noch so peinlich! Zu Fabis Twitch Channel geht es HIER.
Es empfiehlt sich auch DJ Roughy auf Instagram zu folgen, seinen Account findet ihr HIER.

Unseren ersten richtigen Party-Review seit Ausbruch der Corona-Pandemie findest du übrigens HIER. Unsere Leonie berichtet dort von ihrem ersten Auto-Rave mit Da Tweekaz.

Andi
Festivaljunkie durch und durch. Schlaf ist ein Fremdwort.

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